Weiterbildungen
Systemische Weiterbildung Offener Dialog
Der Offene Dialog wird seit den 1980er-Jahren in der finnischen Region Westlappland entwickelt und baut auf der Bedürfnisangepassten Behandlung, die ursprünglich unter Y.O Alanen an der Universität Turku entstand, weiter auf. Derzeit wird er in vermutlich 140 Regionen oder Institutionen weltweit bei Menschen in psychischen Krisen praktiziert.(1) Der Ansatz basiert auf systemischen sowie psychodynamischen Ansätzen, und erweiterte diese um eine an der Philosophie von Michail Bakhtin und Martin Buber ausgerichtete dialogische Grundorientierung und rückt so moderierte dialogische Netzwerkgespräche mit dem sozialen Netzwerk der Betroffenen ins Zentrum.
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Beginn von Weiterbildungen in Deutschland
Nachdem finnische Repräsentanten mehrfach auf deutschen Kongressen referiert hatten, wuchs der Bedarf nach einer entsprechenden Weiterbildungen in Deutschland. Ab 2006 entstand daher das erste Curriculum, da es international noch kein englischsprachiges Basistraining gab und die dreijährige Familientherapeutische Ausbildung in West-Lappland leider nicht als Vorgabe dienen konnte.
Erste Erfahrungen wurden an der Universitätsklinik Hamburg gemacht (2) unterstützt durch Fortbildungen mit Klaus Deissler von Marburger Institut MICS, gefolgt von In House Basistrainings ab 2007 in der Psychiatrischen Klinik in Nauen (Ltg. Dr. Werner Schütze) das noch 30 Tage umfasste und bei Pinel in Berlin, die neue flexiblere Finanzierungsformen in Aussicht oder bereits abgeschlossen hatten.
Entwicklung des Curriculums
Das Curriculum entstand weitgehend durch Volkmar Aderhold und weiteren systemischen Trainerinnen wie Evelin Gottwalz-Itten, Karin Wallenczus, Petra Hohn und Ulrike Borst (3) sowie in enger Kooperation mit engagierten Teams, wobei sich begleitete ‚Rollenspiele‘ über 90 Minuten mit tiefer Identifikation mit den unterschiedlichen Rollen von Teilnehmern in Netzwerkgesprächen schnell als das wertvollste Vermittlungsmedium etablierten (4). Zugleich wurde jedes Methodenelement durch Selbsterfahrungsübungen in geeigneten Kleingruppen persönlich erfahrbar.
Teilnehmende erlebten, dass ihre Sensibilität, Empathiefähigkeit, die wertschätzende Anerkennung unterschiedlicher Perspektiven sowie die Geduld und Behutsamkeit einer prozessorientierten Haltung im Arbeitsalltag bei ihren Klienten rasch wirksam wurden, indem sie Entwicklungsprozesse und eigene Entscheidungen anregten.
Als weitere Träger auf das Angebot aufmerksam wurden, entwickelten wir neben der Behandlungskonferenz (2) für Kliniken weitere kontextspezifische Gesprächsformen wie z.B. die Netzwerkgespräche zur Krisenplanabstimmung, das Reflektieren nach Eskalationen mit dem Betroffenen. Sehr früh wurden auch Erfahrungsexperten in die Kurse mit aufgenommen. Mittlerweile sind einige auch Co-TrainerInnen in regionalen Trainings geworden.
Modulares Curriculum gemäß der 12 Schlüsselelemente
Die theoretische Fundierung der dialogischen Praxis von Netzwerkgesprächen in Form von zwölf Schlüsselelementen ermöglichte ein noch stärker modulares Curriculum, aus methodischen Übungen, Selbsterfahrungen, Einbettung der Elemente in komplexer werdende dialogische Netzwerkgespräche und wenn möglich ein bis zwei Live-Netzwerkgespräche.
Internationale Verbreitung
Das Konzept verbreitete sich erfolgreich in weiteren Ländern, die Schweiz, England und die USA und Belgien.
International gibt es inzwischen eine Vielzahl von längeren und kürzeren Trainings mit unterschiedlichen didaktischen Vorgehensweisen. Diese sind angepasst an regionale Kontexte und haben z.T. besondere Schwerpunkt (z.B. In-house-Trainings, Trainingswochen mit gemeinsamen Übernachtungen im Seminarhaus und Meditationspraxis, Einbezug von Peers, Video-Supervision, Erstellen einer Abschlussarbeit, internationale Trainings auf Englisch, z.T. weitgehend online, und in einigen Ländern verschiedene nationale und regionale muttersprachliche Trainings).
Eine weltweite Erhebung von 2019 zeigte, dass 1/3 aller Projekte zum Offenen Dialog weltweit unter Anwendung dieses Basis-Curriculums entstanden waren. (1)
Herausforderungen im Hilfesystem
Die Fragmentierung des deutschen psychiatrischen Hilfesystems durch unterschiedliche Finanzierung erschwert bis heute die vollständige Umsetzung aller Prinzipien des Offenen Dialogs. Dies betrifft vor allem die frühzeitige Intervention und die Verfügbarkeit multiprofessioneller, ambulanter Teams, weshalb spezifische Praxisformate für unterschiedliche Kontexte entwickelt wurden.
Systemische Gesprächsformate und Intervisionsformen
Das Training besteht heute aus der Vermittlung dieser vielfältigen systemischen Gesprächsformen:
Dialogische Gesprächsformate
- Reflektieren mit Klienten in „Tandemgesprächen“ (2 Mitarbeiter und 1 Klient)
- Soziale Netzwerkkarte
- Dialogische Netzwerkgespräche
- Dialogische Netzwerkgespräche in Krisen
- Netzwerkgespräche mit Kindern und Jugendlichen
- Netzwerkgespräche zur Krisenplanabstimmung
- Reflektieren nach Eskalationen
- Behandlungskonferenz stationär
- Verlaufsreflektionen ambulant
Intervisionsformate
- Fallbesprechung mit dem „Ohr“ des Klienten und Reflektionen
- Erhebliche negative Gefühle aus Erfahrungen mit Klienten mit ihnen später besprechen
- Mit der Kraft von Fragen die Antwort auf eine Problemlage selbst finden
- Intervision mit Stellvertretern nach einem Netzwerkgespräch
Voraussetzungen zur Implementierung
Die erfolgreiche Einführung erfordert eine klare Entschiedenheit durch die Leitungsebene sowie eine ausreichend große, motivierte Gruppe innerhalb eines Teams. Einzelne jeweils neue Elemente können bereits nach jedem Workshop erprobt werden, was jedoch eine aktive Förderung durch Gesamtleitung und Teamleitung bedingt.
Sollten Sie daran interessiert sein, in einer Region oder in einem Träger ein Training durchführen zu lassen, wenden Sie sich bitte an das Netzwerk Offener Dialog, so dass wir sie an ein entsprechendes regionales TrainerInnen-Netzwerk vermitteln können.
Sollten Sie an der Teilnahme an einem Training interessiert sein, das sie hier in der Übersicht finden, so wenden Sie sich bitte an die darin aufgeführte Kontaktperson.
Wenn Sie als einzelne Person an einem solchen Training teilnehmen möchten, müssen Sie bedenken, dass der Offene Dialog ein Teamansatz ist und dass das zentrale Gesprächsformat der dialogischen Netzwerkgespräche nur mit mindestens zwei ausgebildeten Professionellen praktiziert werden kann.
Quellen:
- Pocobello R, Camilli F, Ridente P, Caloro G, Balice MG, Tibaldi G, Macario M, d’Alema M, Gulino E and el Sehity T (2024) Evaluating Open Dialogue in Italian mental health services: evidence from a multisite prospective cohort study. Psychol. 15:1428689.
doi: 10.3389/fpsyg.2024.1428689
https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2024.1428689/full - Aderhold V, Gottwalz-Itten E, Hasslöwer, H (2010) Die Behandlungskonferenz – Dialog, Reflexion und Transparenz. Psychiatrische Pflege heute 16: 142-152
https://www.researchgate.net/publication/240230796_Die_Behandlungskonferenz_-_Dialog_Reflexion_und_Transparenz - Aderhold V. & Borst U: (2016) „Stimmenhören Lernen“ – Qualifizierung für systemische Arbeiten in der psychiatrischen Grundversorgung, Familiendynamik 1: 34-43
https://elibrary.klett-cotta.de/journal/fd/41/1 - Cubellis, L. (2020), Sympathetic care. Cultural Anthropology, 35: 14-22.
https://doi.org/10.14506/ca35.1.03
https://anthrosource.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.14506/ca35.1.03
Basisfortbildung Offener Dialog
Elmshorn
08.05.2026 bis 04.06.2027
9 x 2 Module
Kreis Pinneberg Sozialpsychiatrischer Dienst
Anmeldungen nur für psychiatrieerfahrene Menschen und Profis, die im Kreis Pinneberg leben bzw. arbeiten
Familien- und Netzwerktherapie – Offener Dialog Kurs 23
Berlin
13.07.2026 bis 09.02.2027
8 Workshops + optionaler 9. Workshop
Stiftung Pinel
weiterbildung@pinel.de, Anett Keidel, Vladimir Bojic
Offen für Anmeldungen, als Bildungszeit
Bildungsurlaub in Berlin und Brandenburg anerkannt
Systemische Fortbildung in Open Dialogue
Luzern
21.08.2026 bis 21.08.2027
8 Workshops à 2 Tage
Luzerner Psychiatrie
Offen für Anmeldungen
OD Basiskurs
Frankfurt
September 2026 bis August 2027
9 Workshops
saat-plus-tat
Gemeinnützige Projektentwicklungsgesellschaft mbH
Offen für Anmeldungen.
Dieser Kurs ist für eine Förderung nach §81 SGB 3 zugelassen. Das Qualifizierungschancengesetzes (QCG) ermöglicht eine Kostenübernahme bis zu 100% und der Arbeitgeber kann einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt erhalten.
Ausbildungskurs Offener Dialog
LWL Klinik Lengerich
19.10.2026 bis 11.12.2027
9 Workshops
LWL Klinik Lengerich
PDL Frau Bischop, Christiane Tölle, Volkmar Aderhold
Interne Fortbildung, MA* der Klinik
Basistraining „Offener Dialog“ und Netzwerktherapie
Itzehoe
Zweite Jahreshälfte 2026 bis Ende 2027
8 Workshops über jeweils 2 Tage
Zentrum für psychosoziale Medizin, Klinikum Itzehoe
Offen auch für externe Anmeldungen
Basisfortbildung Offener Dialog 2027/2028
Wien
Januar 2027 bis Januar 2028
18 Tage, 144 Stunden
Verein Offener Dialog Österreich
Offen für Anmeldungen
Basiskurs Offener Dialog
Itzehoe
25.05.2025 bis 07.05.2026
8 Workshops à 2 Tage
Klinikum Itzehoe, Zentrum für Psychosoziale Medizin
K. Rickert: k.rickert@kh-itzehoe.de / 0172-6118344
Offen für Nachholer*innen
Systemische Fortbildung in Open Dialogue
Luzern
12.09.2025 bis 20.06.2026
8 Workshops à 2 Tage
Luzerner Psychiatrie
Offen für Nachholer*innen
Familien- und Netzwerktherapie – Offener Dialog, Kurs 22
weiterbildung@pinel.de, Anett Keidel, Vladimir Bojic
Offener Dialog, Arbeiten im Netzwerk
Darmstadt
Oktober 2025 bis November 2026
9 zweitägige Workshops
Caritasverband Darmstadt e.V.
Monika Daum, m.daum@caritas-darmstadt.de
Bitte über die genannte E-Mailadresse Flyer anfordern.
Systemische Fortbildung: Offener Dialog - Sozialraumorientierte Netzwerkarbeit
Freiburg
Oktober 2025 bis 26.11.2026
9 Workshops a 2 Tage
Ask! e.V. Freiburg
SYSTEMISCHE WEITERBILDUNG OFFENER DIALOG
Asklepios Klinikum Harburg, Medienzentrum 1-3, Haus 1 UG, Eißendorfer Pferdeweg 52, 21075 Hamburg
25.09.2025 bis 15.01.2027
9 Workshops á 2 Tage jeweils von 9-17 Uhr mit insgesamt 144 Unterrichtsstunden
EX-IN Hamburg e. V., Brauhausstieg 15-17, 22041 Hamburg
offener-dialog@ex-in-hamburg.net
040 / 530 27 194
Offen für Nachholer*innen
Im laufenden Kurs keine Anmeldung mehr möglich, aber Interessemeldungen für zukünftige Teilnahme gerne an offener-dialog@ex-in-hamburg.net
Basisfortbildung Offener Dialog IX
Bremen, Travemünder Str. 3
04.02.2026 bis 11.03.2027
9 Workshop á 2 Tage von 9.00-17.00 Uhr
Initiative zur sozialen Rehabilitation e.V.
Sandra Ehrichs, fokus@izsr.de, Tel: 0421 380 1950
Offen für Nachholer*innen
Systemisches Arbeiten nach dem Offenen Dialog
Hamm
05.12.2025 bis 16.04.2027
9 Workshop á 2 Tage
Johanniter Kliniken Hamm
Intern: Frau Hoppe: sandra.hoppe@hamm.johanniter-kliniken.de
Offen für Nachholer*innen
Die Fortbildung wird inhouse (klinisches Setting) angeboten.